Filmbeschreibung


Sie leben noch
Ein Film von Klaus Lutze

Leben sie noch? Wer? Die Hippies. Doch - sie leben noch. Wo? Auf La Gomera. Das wollte unser Autor unbedingt wissen und machte sich daher auf den Weg nach der Kanarischen Insel. Und siehe da: am Schluß seines Filmes kann Klaus die frohe Botschaft verkünden: sie sind noch da, sie leben noch, und er hat sie gefilmt.

Das war aber nicht ganz leicht. Auf der Insel angekommen, beginnt die Suche nach den angeblich Vermißten. Am Hafen unten sind sie nicht. Auf dem Weg in die Berge zu seinem Quartier sind sie auch nicht. Wir erleben eine fast unberührte Natur mit stachligen Bäumen und Sträuchern, Felsen und Schluchten und weiten Blicken auf Hügel und Berge. Auf einem romantischen Höhenweg – nicht besonders ausgebaut - geht die Suche weiter. Wir sehen keine Menschen, nur die eindrucksvolle Landschaft und das Meer in der Ferne weit unten und kleine Ortschaften und Siedlungen, wie fest an die Bergwände und Täler geklettet. Und dann sind wir wieder unten am Meer, an einer anderen Küste. Mittlerweile hat die Abenddämmerung eingesetzt. Da sitzen sie nun, die sog. Hippies. Ganz so bizarr wie ihre Vorfahren und Idole damals in Kalifornien sehen sie nicht aus, aber an ihrem Tun bzw. Nichtstun wie an ihrer Kleidung und ihrem Gehabe kann man Ähnlichkeiten erkennen. Sie wollen bewußt Außenseiter sein. Sie trommeln ohne Unterbrechung, rhytmisch gekonnt, gute Musik, sitzen aufgereiht auf einem Baumstamm und haben zufriedene Gesichter. Etliche Zuschauer, ganz normal als Touristen einzuordnen, sind auch dabei und schauen zu. Je später der Abend, desto schriller die Gäste, hören wir im Kommentar. Man trifft sich am Strand, um die Nacht zu begrüßen. Die Sonne ist schon untergegangen, ein wunderschönes Abendrot hat den ganzen Himmel belegt. Dann fangen sie an zu tanzen, Männer allein und in Gruppen mit Mädchen und mit Feuerfackeln. Nachwuchs ist auch da: kleine Kinder, z.T, ganz nackt, tollen mit den Männern und werden wie Spielbälle durch die Luft geworfen. Sie lachen dabei. Ein Baby genießt die Mutterbrust. Man spürt Leben und die Selbstverständlichkeit, die Kleinen rechtzeitig an das Hippieleben zu gewöhnen. Jedoch sind das nicht alle Inselbewohner am Strand. Etliche, das sind dann die echten Touristen und manche Einheimischen, sitzen in einer Taverne nicht weit davon und lassen sich den örtlichen Rotwein munden. Auch das gibt es dort am Abend. Wieder am Strand zurück sind es nun junge Mädchen, die zu der Trommelmusik akrobatische Tänze mit Feuerbändern und Feuerfackeln aufführen. Die Tänze werden schneller und ausdrucksstärker und man hat den Eindruck, während es am Strand immer dunkler wird, daß die Tänzerinnen und Tänzer mit ihren wirbelnden Feuern ins Meer eintauchen.

Klaus zeigt uns - wie oft in seinen Filmen - Dinge, Leute, Gegenden und Landschaften, die ein normaler Tourist nicht kennt, weil er nicht dorthin geht. So sind seine Filme – und der heutige ist es auch - nie langweilig, immer recht lustig, farbig, interessant und locker kommentiert. Auch wenn seine gefundenen Aussteiger auf La Gomera nicht ganz so schrill wirken wie ihre Vorbilder, den Charme des Eigenartigen und Besonderen haben sie doch behalten, und das hat der Film uns rübergebracht. 



Bewertung 3,876

 

Raimund Wildenhof